Auf 18 Metern hoben sich seine Füße und der Kopf sank ab. Er hatte auf dem Abstieg Luft in den Trockenanzug gegeben — derselbe Reflex, der in der Tarierweste (BCD) mit Neopren funktioniert — und jetzt saß eine Blase von Fußballgröße an seinen Schultern, während die Beine zur Oberfläche zeigten. Er strampelte heftig, verlor den Lungenautomaten und schoss von 14 Metern nach oben. Der Squeeze in den Trockenhandschuhen bei der schnellen Aufstieg ließ seine Finger eine Stunde lang violett.
Trockenanzugtauchen ist nicht „Neoprentauchen mit mehr Wärme“. Der Anzug ist ein zweites Tariergerät um den ganzen Körper, mit Befüll- und Ablassystemen, die sich anders verhalten als die Tarierweste (BCD). Dieser Leitfaden behandelt Befüllungsdisziplin, Ablassventil-Sequenz, Füße-zuerst-Auftriebsrisiko, Squeeze-Prophylaxe und Notfallverfahren — ohne die Neopren-Kompressionsphysik aus dem Tarierartikel zu wiederholen.
1. Trockenanzug vs. Neopren: andere Tarierungsphysik
Neopren komprimiert mit der Tiefe und verliert Auftrieb — du füllst die Tarierweste (BCD) zum Ausgleich. Ein Trockenanzug hält einen Gasraum um den ganzen Körper. Dieses Gas komprimiert beim Abstieg und muss ersetzt werden über den Anzuginflator, sonst entsteht Squeeze. Beim Aufstieg dehnt es sich aus und muss abgelassen werden über Ablassventile, sonst droht ein unkontrollierter Füße-zuerst-Aufstieg.
Tarierungsaufteilung — Trockenanzug-Disziplin
(Für allgemeine Archimedes-/BCD-/Neopren-Kompressionsprinzipien siehe den Tarierleitfaden — dieser Artikel behandelt nur trockenanzugspezifische Kontrolle.)
2. Befüllung: Anzuginflator und Gaswahl
Der Trockenanzuginflator verbindet sich mit dem Lungenautomaten (meist Niederdruckanschluss) oder einer separaten Ponyflasche. Kurze Stöße — kein Dauerstrom — halten das Anzugsvolumen ohne Überbefüllung.
Beim Abstieg — Squeeze verhindern
✓ Pass
Kleine Anzugstöße bei zunehmender Kompression; sanfter Druck am Körper, kein Einklemmen an Handgelenken/Hals; horizontal oder leicht kopfüber
✗ Fail
Kein Anzugsgas bis zum schmerzhaften Squeeze; Inflator dauerhaft gedrückt; kopfüber abtauchen mit Luftansammlung an den Füßen
Unterwäsche-Dicke ändert das benötigte Gasvolumen. Dicke Unterwäsche in kaltem Wasser braucht mehr Anzugsgas — Bleigewicht entsprechend im Pool oder bei einem flachen Check-Tauchgang planen, nicht auf einem 30-m-Wrack.
3. Ablassventile: Schulter und Manschette
Die meisten Trockenanzüge haben ein automatisches Schulterablassventil (öffnet bei definiertem Anzugsdruck) und ein Manschettenablassventil durch Armheben. Beim Aufstieg vor dem Auftrieb durch den sich ausdehnenden Anzug ablassen.
Aufstiegssequenz:
- Ab 5–6 m ablassen oder bei positivem Anzugsauftrieb
- Linken Arm heben (Manschettenablass), kurz Tiefe halten
- Feinabstimmung über Schulterablass — vor dem Tauchgang für erwartete Tiefe einstellen
- Tarierweste (BCD) regelt verbleibenden Auftrieb an der Oberfläche
4. Füße-zuerst-Aufstieg: der Hauptnotfall im Trockenanzug
Wenn überschüssiges Anzugsgas bei kopfüberer Haltung zu den Füßen wandert, greift das Boyle'sche Gesetz: sich ausdehnendes Gas beschleunigt einen Füße-zuerst-Schuss zur Oberfläche. Das ist der typische Trockenanzug-Unfall — anders als BCD-Runaway, weil der Auftrieb entlang der Beine verteilt ist.
• Sofort horizontal oder kopfüber drehen — nicht mit mehr Flossenschlag gegen den Füße-zuerst-Auftrieb kämpfen
• Anzugsgas aggressiv ablassen: Arm hoch, Schulterablass offen
• Tarierweste (BCD) bei kombiniertem Auftrieb entlüften; Körper bremsen für mehr Widerstand
• Nicht den Atem anhalten — während jedes unkontrollierten Aufstiegs kontinuierlich ausatmen
• An der Oberfläche: Barotrauma, DCS-Anzeichen prüfen; O₂ atmen falls verfügbar
5. Squeeze: Handgelenke, Hals und Ventile
Anzug-Squeeze entsteht, wenn der äußere Wasserdruck den Innendruck im Anzug übersteigt. Schmerzhaft, kann Blutergüsse verursachen und signalisiert, dass du beim Abstieg kein Gas zugeführt hast.
| Stelle | Ursache | Vorbeugung | |---|---|---| | Handgelenksmanschetten | Kein Anzugsgas; enge Manschetten | Anzugstöße vor tiefem Abstieg; Manschettengröße prüfen | | Halsmanschette | Kopfüber + kein Gas | Volumen halten; extremes kopfüber-Trim vermeiden | | Trockenhandschuhe | Zu wenig Gas in den Handschuhen | Handschuhe mit kurzen Stößen ausgleichen; keine Baumwoll-Inlays |
Eine gerissene Halsmanschette in der Tiefe ist ein Überflutungsnotfall — Tauchgang abbrechen, kontrolliert aufsteigen, Tauchpartner (Buddy) sofort signalisieren.
6. Ausbildung und wann zertifiziert werden
Trockenanzugtauchen erfordert einen Spezialkurs (PADI Dry Suit, SSI Dry Suit Diving usw.) mit:
- Pool-/begrenztes Wasser: Befüll- und Ablassübungen
- Bleigewicht mit Unterwäsche
- Notfallverfahren inkl. Füße-zuerst-Aufstieg-Recovery
- Reparatur und Manschettenwartung
Leihe keinen Trockenanzug für einen Kaltwasserurlaub ohne Ausbildung und mindestens einen betreuten Check-Tauchgang.
7. Der ScubaProof-Filter: Trockenanzug-Betrieb
Red Flags — Vernachlässigung bei Trockenanzug-Verleih
• Trockenanzug ohne Check-Tauchgang oder Zertifikatsnachweis vermietet
• Versprödete Hals-/Handgelenksmanschetten, defekte Ablassventile, falsch geführter Inflatorschlauch
• Bewertungen mit Squeeze-Verletzungen, unkontrollierten Aufstiegen oder überfluteten Anzügen
• Gear-Score unter 3,5
Yellow Flags — vor der Buchung fragen
• Begrenzte Trockenanzuggrößen; kein Reparaturset oder Ersatzmanschetten vor Ort
• Kaltwassertauchgänge ohne angegebene Trockenanzug-Spezialisierung
• Personal kann im Tauchbriefing BCD- vs. Anzug-Tarierung nicht erklären
Safety, Gear, Staff Conduct, Oxygen Readiness und Trust Score auf ScubaProof zeigen Betreiber, die Trockenanzug-Ausrüstung pflegen und Ausbildungsvoraussetzungen durchsetzen.
